Riff-sicherer Sonnenschutz: Die Oxybenzon-Frage
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Riff-sicherer Sonnenschutz: Die Oxybenzon-Frage

Downs 2016, Hawaii Act 104, Palau – was die Wissenschaft wirklich über UV-Filter und Korallen sagt

4 Min. Lesezeit· 827 Wörter· 6 Quellen
Wichtigste Erkenntnisse
  • Die Debatte um 'Riff-Sonnenschutz' dreht sich fast ausschließlich um Oxybenzon (BP-3) und Octinoxat. Mineralische Filter – nicht-nano Zinkoxid und Titandioxid – sind das, was die aktuelle Gesetzgebung zulässt.
  • Downs et al. (2016) zeigten Schäden an Korallenplanulae bei 62 ppt Oxybenzon – unterhalb der beobachteten Tourismus-Hotspot-Konzentrationen in Hawaii und den U.S. Virgin Islands.
  • Hawaii (2021), Palau (2020), Bonaire (2021) und die U.S. Virgin Islands (2019) haben Sonnenschutzmittel, die Oxybenzon/Octinoxat enthalten, verboten.
  • Ein UV-schützender Rashguard plus eine kleine Menge nicht-nano Zink-Gesichtsstick ist laut aktueller Literatur die sicherste Riffwasser-Kombination für Taucher.
  • Die Ersatzfilter der nächsten Generation (Octocrylen, Homosalat) sind weniger gut erforscht – Vorsichtsmaßnahmen sprechen für mineralische Formulierungen, bis die Daten vorliegen.

'Riff-sicherer Sonnenschutz' steht heute auf fast jeder Flasche in den Tropen, und das Marketing ist der Wissenschaft weit vorausgeeilt. Das Bild aus der Fachwelt ist enger und präziser als die panischen oder abwiegelnden Versionen, die online kursieren. Dieser Artikel beleuchtet die primäre Chemie, das Papier von Downs et al. (2016), das die Bewegung auslöste, die folgenden Gesetze in Hawaii und Palau, die Gegenargumente der Sonnencreme-Industrie und was die besten aktuellen Erkenntnisse für Taucher unterstützen, denen sowohl ihre Haut als auch das Riff am Herzen liegen.

1. Was tatsächlich in Sonnencreme steckt

UV-Filter werden in zwei große chemische Familien unterteilt. Organische (chemische) Filter absorbieren UV-Strahlung. Die häufigsten sind Oxybenzon (Benzophenon-3, BP-3), Octinoxat (Ethylhexyl Methoxycinnamat), Octocrylen, Avobenzon, Homosalat und Octisalat. Anorganische (mineralische) Filter reflektieren und streuen UV-Strahlung. Die beiden sind Zinkoxid (ZnO) und Titandioxid (TiO₂), oft in Nano- oder Nicht-Nano-Formulierungen.

Die Debatte um die 'Riff-Sicherheit' dreht sich fast ausschließlich um die organischen Filter, insbesondere Oxybenzon und Octinoxat. Mineralische Filter – ZnO und Nicht-Nano-TiO₂ – sind das, was die neuen Gesetze zulassen.

2. Das Downs 2016 Papier

Craig Downs (Haereticus Environmental Laboratory) und Kollegen veröffentlichten das Papier, das dieses Feld neu definierte: 'Toxikopathologische Effekte des Sonnenschutz-UV-Filters Oxybenzon auf Korallenplanulae und kultivierte Primärzellen sowie dessen Umweltkontamination in Hawaii und den U.S. Virgin Islands' [1]. Ihre Laborarbeit zeigte messbare Effekte auf Korallenplanulae (das freischwimmende Larvenstadium) bei Oxybenzon-Konzentrationen von 62 ppt (Teile pro Billion) – ein erstaunlich niedriger Schwellenwert, der mit realen Konzentrationen an Tourismus-Hotspots weitgehend kompatibel zu sein scheint. Sie berichteten über beobachtete Riffwasser-Konzentrationen von Oxybenzon in Hawaii und den Virgin Islands zwischen 0,8 und 1,4 µg/L (Teile pro Milliarde), weit über dem toxischen Schwellenwert in vitro.

Oxybenzon ist ein Phototoxikum; negative Effekte werden im Licht verstärkt. Oxybenzon erhöht die Anfälligkeit von Korallen für die Bleiche. Oxybenzon ist ein Genotoxikum für Korallen, das eine positive Beziehung zwischen DNA-AP-Läsionen und steigenden Oxybenzon-Konzentrationen zeigt.
Downs et al., 2016 — *Archives of Environmental Contamination and Toxicology*

3. Hawaii Act 104 und Palaus Responsible Tourism Education Act

Das Downs-Papier führte mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit zu realer Regulierung. Der Hawaii Act 104 (2018) verbot den Verkauf von rezeptfreien Sonnenschutzmitteln mit Oxybenzon oder Octinoxat ab Januar 2021 [2]. Palau ging mit dem Responsible Tourism Education Act 2018 noch weiter und verbot ab Januar 2020 den *Import und Verkauf* von Sonnenschutzmitteln, die zehn spezifische 'riff-toxische' Verbindungen enthalten, sowie die *Verwendung* dieser Sonnenschutzmittel in den Gewässern Palaus [3]. Bonaire (2021) und die U.S. Virgin Islands (2019) folgten mit ähnlichen Beschränkungen.

4. Das Gegenargument der Industrie

Der Personal Care Products Council und mehrere Hersteller von Sonnenschutzmitteln haben argumentiert, dass Downs et al. Oxybenzon-Konzentrationen nur im Laborwasser reproduzierbar getestet haben und dass die reale Riffexposition in den meisten Riffgebieten weit unter dem Schwellenwert von 62 ppt liegt [4]. Dies stimmt empirisch für viele Riffstandorte, aber das Gegenargument ist, dass (a) das Downs-Papier direkt hawaiianische Tourismus-Hotspot-Konzentrationen im µg/L-Bereich – drei Größenordnungen über dem In-vitro-Effektschwellenwert – ausweist; und (b) nachfolgende unabhängige Arbeiten von Miller et al. (2021) an der University of Central Florida Oxybenzon in Riffgewässern im gleichen Bereich mit unterschiedlicher Probenahme- und analytischer Chemie nachwiesen [5].

Die Debatte um Signal vs. Gesamtlast
Sonnenschutzmittel sind ein kleiner Bruchteil der gesamten organischen Verschmutzung, die die meisten Riffe erreicht – Abwasser, landwirtschaftliche Abwässer und Regenwasser dominieren. Aber an stark frequentierten Schnorchelplätzen (Hanauma Bay, Trunk Bay, einige palauische Lagunen) werden Sonnenschutzmittel lokal bedeutsam. Genau dort sind die Verbote angesetzt.

5. Was 'riff-sicher' tatsächlich bedeutet

Der Konsens, der sich aus der Primärliteratur und der palauischen Inhaltsstoffliste ergibt, ist, dass ein wirklich riff-sicherer Sonnenschutz all das Folgende aufweist:

  • Nicht-Nano-Zinkoxid als primärer UV-Filter (Partikelgröße > 100 nm, damit es nicht von Korallenpolypen aufgenommen wird).
  • Kein Oxybenzon (BP-3), Octinoxat (Ethylhexyl Methoxycinnamat), Octocrylen, 4-Methylbenzylidencampher, Triclosan, Parabene oder PABA – die zehn Verbindungen, die im Rahmen des palauischen Gesetzes von 2018 verboten sind.
  • Wasserfeste mineralische Formulierung, die mindestens 15–20 Minuten vor dem Gang ins Wasser aufgetragen wird, sodass der größte Teil davon an die Haut gebunden ist, anstatt in der ersten Minute abgewaschen zu werden.

Feldstudien im Taucher-Maßstab deuten darauf hin, dass ein UV-Shirt (Rashguard) plus ein mineralischer Zink-Gesichtsstick in etwa den gleichen Schutz bietet wie eine komplette chemische Sprühsonnencreme für einen typischen Zwei-Tank-Tauchgang, mit einem kleinen Bruchteil der Wasserabgabe [6].

6. Wo die Wissenschaft noch nicht abschließend geklärt ist

Zwei offene Fragen sind für diese Debatte von Bedeutung. Erstens sind die Auswirkungen von Avobenzon, Octocrylen und Homosalat – den Ersatzstoffen der aktuellen Generation, die jetzt in 'oxybenzonfreien' Formulierungen üblich sind – auf Korallen viel weniger untersucht als Oxybenzon selbst. Octocrylen insbesondere wird derzeit in der EU einer behördlichen Prüfung unterzogen. Zweitens bleibt die Lücke zwischen Feld- und Labor-Exposition umstritten. Die beste Haltung, angesichts dieser Unsicherheit, ist vorbeugend: Mineralisches Zink, sparsam aufgetragen, ist die Wahl mit dem geringsten Nachteil unter jeder aktuellen Interpretation der Daten.

Quellen

  1. [1] Downs C.A., Kramarsky-Winter E., Segal R., Fauth J., et al. (2016). "Toxikologische Auswirkungen des Sonnencreme-UV-Filters Oxybenzon auf Korallen-Planulae und Umweltkontamination in Hawaii und den U.S. Virgin Islands." Archives of Environmental Contamination and Toxicology. doi:10.1007/s00244-015-0227-7
  2. [2] State of Hawaii (2018). "Gesetz 104 (SB 2571) — Verbot des Verkaufs von Sonnencremes mit Oxybenzon oder Octinoxat." Hawaii State Legislature. https://www.capitol.hawaii.gov/session2018/bills/SB2571_CD1_.pdf
  3. [3] Republic of Palau (2018). "Gesetz zur Förderung eines verantwortungsbewussten Tourismus (RTEA)." Palau National Congress. https://www.palaugov.pw/executive-branch/ministries/finance/bureau-of-revenue-customs-and-taxation/
  4. [4] Personal Care Products Council (2019). "Branchenreaktion zur Umweltsicherheit von UV-Filtern." PCPC position statement. https://www.personalcarecouncil.org/
  5. [5] Miller I.B., Pawlowski S., Kellermann M.Y., Petersen-Thiery M., Moeller M., Nietzer S., Schupp P.J. (2021). "Toxische Wirkungen von UV-Filtern aus Sonnencremes auf Korallenriffe: regulatorische Aspekte für die EU." Environmental Sciences Europe. doi:10.1186/s12302-021-00515-w
  6. [6] Save The Reef / Haereticus Environmental Laboratory (2020). "Feldstudie zu Rash-Guard + mineralischer Sonnencreme als Ersatz für Riff-Taucher." Haereticus Environmental Laboratory report. https://haereticus-lab.org/
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